Home

Studienfahrt nach Bursa


12. März 2004
Erfahrungsbericht:

Dreiwöchige Studienfahrt nach Bursa / Türkei

von Michael Stolzenbach & Rafael Macias

Die zweijährige Ausbildung zum Maschinebautechniker beinhaltet eine Projektarbeit, bei der die Schüler in Gruppen eine technische Problemstellung in Zusammenarbeit mit einer Firma aus dem Bereich des Maschinenbaus bearbeiten, und zu diesem Thema eine schriftliche Ausarbeitung erstellen. Zum Abschluss dieser Projektphase werden die einzelnen Themen präsentiert.
Für die Schüler der Vollzeitform besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit diese Projektphase mit einem Schüleraustausch in der Türkei zu verbinden. Die Partnerschule des Hans-Böckler-Berufskolleg ist die „Hürriyet Ahadolu Teknik“ in Bursa.

Auch in diesem Jahr reisten 7 Schüler mit zwei Betreungslehrern nach Bursa.
Bei den Firmen Coskunöz und Kinay fanden sie, dank der Vorbereitung seitens der türkischen Schule, geeignete Themen für eine Projektarbeit.
Die Projektarbeit fand vom 19. Januar bis zum 07. Februar statt.

 

Die Teilnehmer:
(von links)

Schüler:
Stephan Göbel
Rafael Macias
Peter Friesen
Jochen Weber
Zöhre Gülmez
Fatih Balta
Stefan Schwalm

Betreuer:
Jürgen Lucks
Michael Stolzenbach

Anreise und Unterbringung

Am Samstag den 17. Januar reiste die Gruppe in die Türkei. Vom Flughafen Köln ging es nach Istanbul, wo wir von Lehrern der Partnerschule begrüßt wurden. Weiter ging es mit einer dreistündigen Busfahrt über den Bosporus nach Bursa.
Bursa liegt im asiatischen Teil der Türkei und befindet sich in cirka 20 Kilometer Entfernung vom Marmarameer.
Bei unserer Ankunft war es bereits später Abend. Nach dem Essen bezogen wir das Hotel, wo man sich für die nächsten Wochen einrichtete.

 


Die Verpflegung
Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Frühstück gab es im Hotel. An den Werktagen wurde durch die Projektfirmen das Mittagessen gestellt. Abends wurde individuell gegessen, wozu die zahlreichen Restaurants in der Stadt immer wieder einluden. Oftmals wurden wir von türkischen Lehrern abgeholt und zum Essen eingeladen.
Hier ein paar Eindrücke:


Die Stadt Bursa
Bursa ist eine Stadt mit cirka 2 Millionen Einwohnern. Die Stadt liegt in einem Tal am Fuße des Berges Uludag in Nähe zum Marmarameer. Das Klima ist in etwa mit unserem vergleich-bar , jedoch sehr wechselhaft.
Bei der Ankunft zeigte sich das Wetter herbstlich mild und sonnig. Bereits nach vier Tagen wurde ein großer Teil der Türkei (und auch Bursa) eingeschneit. Dieses Wetter hielt die nächsten zwei Wochen an! Zum Schluss zeigte Bursa sich dann wieder mit bestem Frühlingswetter.
Bursa ist eine aufstrebende Industriestadt, die vor allem wegen ihrer Textilindustrien bekannt ist. Wenn man vom Berg Uludag auf Bursa herabschaut sieht man deutlich, wie sich rechts und links der Innenstadt große Industriegebiete erstrecken. Diese Gebiete wachsen mit einer rasanten Geschwindigkeit, überall wird gebaut.
Durch die vielen Firmen mit ihren Arbeitsplätzen haben sich viele Zuwanderer aus Rumänien, Ungarn, Russland und anderen baltischen Staaten in Bursa niedergelassen haben. Die Bewohner von Bursa sind also ein buntes Gemisch vieler unterschiedlicher Völker.
Der Umgang mit den Einheimischen war sehr angenehm. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben. Da Bursa als touristisches Ziel nicht bekannt ist, sind Fremde hier eine Ausnahme. Viele waren deshalb freundlich, und neugierig uns kennenzulernen.

 


Sehenswürdigkeiten / Freizeitgestaltung
Natürlich wurde in der Türkei nicht nur gearbeitet. Bursa ist eine historische Stadt.
Schon zu Zeiten der Seidenstraße war Bursa ein bekanntes Handelszentrum. Dementsprechend gibt es auch viele Sehenswürdigkeiten. Aber auch ansonsten waren interessante Dinge in der Freizeit zu entdecken.

 

In der Altstadt gab es viele
Moscheen zu besichtigen.
Traumhafte Ausblicke nach
einer Seilbahnfahrt auf den Uludag….
…. manche nutzen den
Berg zum Snowboarden.
Die Basare und Straßenmärkte
waren ein Erlebnis.
Erholung konnte man jederzeit in
den zahlreichen Thermalbädern finden…
… oder einfach durch die Stadt
schlittern und sich treiben lassen!
Am Marmarameer wurden wir
zum Fischessen eingeladen.

Projektfirmen / Themenvorstellung

Wie bereits erwähnt, erklärten sich zwei Firmen bereit, den Schülern die Projektarbeiten zu ermöglichen Wir wollen hier kurz die Firmen und die Projektthemen vorstellen.

Coskunöz

Die Firma Coskunöz ist ein Holding Gesellschaft mit unterschiedlichsten Produkten und Standorten. Im Werk in Bursa werden hydraulische Pressen, Presswerkzeuge (meist für die Kfz-Industrie) und Schweißautomaten mit induktiver Arbeitsweise hergestellt. Zudem werden auf den eigenen Anlagen Zulieferteile produziert.

Bei Coskunöz (www.coskunoz.com.tr) arbeiteten zwei Teams:
Ein dreiköpfiges Team beschäftigte sich mit einem Druckübersetzer für eine Schweißanlage. Das Gerät, in dem sich pneumatische und hydraulische Elemente befinden, wird häufig wegen Undichtheit reklamiert. Für die Firma entstehen hohe Folgekosten durch Garantieansprüche der Kunden. Die Schüler überprüften das Aggregat und fanden geeignete Maßnahmen dieses Problem zu beheben.
Zwei angehende Techniker sollten den Werkzeugwechsel der Presswerkzeuge optimieren. Bisher werden die sehr schweren Werkzeuge mit hohem Personaleinsatz und hohem Zeitaufwand gewechselt.
Die Gruppe konstruierte eine neue Hebevorrichtung und eine Rollbahn zum Verfahren der Werkzeuge. Es wurde insbesondere darauf geachtet eine sichere Anlage zu entwerfen, die der Unfallverhütungsvorschrift entspricht.

 

Herr Balta bei der Demontage
des Druckübersetzers
Die Schüler „residierten“ in einem
großzügigen Büro

Kinay

Die Firma Kinay (www.kinay.com.tr) ist ein kleines Ingineurbüro mit 13 Mitarbeitern.
Kinay konstruiert Sondermaschinen für die unterschiedlichsten Industriezweige.
Als Projektthema hatten zwei Schüler hier eine Vorrichtung zu entwerfen. Diese Vorrichtung soll den Montageprozess einer Magnetspule für einen Kfz-Anlasser teilautomatisieren. Die Arbeitsbedingungen waren hier aus mehreren Gründen nicht immer optimal, das Projekt konnte aber in Deutschland zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.

 

3-D Darstellung der Montagevorrichtung

Die Rückreise

Samstagmorgens um 6 Uhr traten wir die Rückreise an. Die Busfahrt nach Istanbul verzögerte sich erheblich. In allerletzter Minute erreichten wir unseren Flieger nach Köln, wo wir nachmittags heil landeten.
Diesmal fuhren wir mit der Fähre über den Bosborus. Der Ausblick auf Istanbul mit seinen vielen Moscheen war beeindruckend.

 


Resümee


Nach drei Wochen waren wir also wieder zu Hause und hatten noch eine weitere Woche Zeit bis zur Abgabe der Ausarbeitungen. Die Projektarbeit ist wohl für alle Schüler (auch für die in Deutschland gebliebenen) mit einem gewissen Stress verbunden.
Die Türkeireisenden werden jedoch, neben den erfolgreichen Projekten, viele neue Eindrücke und Erfahrungen in Erinnerung behalten. Das Klima unter den Teilnehmern war sehr gut, und wir haben dort sehr viel gelacht.

Die Gastfreundschaft der türkischen Lehrer war beeindruckend. Wir wunderten uns wie viel Zeit man sich für uns nahm. Sehr oft wurden wir zum Essen eingeladen und hatten einige schöne Abende. Die Vorstellung in der Partnerschule dauerte einen ganzen Vormittag, weil alle Schüler wenigstens einen Teil der deutschen Gäste kennenlernen wollte. Auch in den Firmen war man immer bemüht uns zu helfen. Wir haben die Türken als freundliche und humorvolle Menschen kennengelernt.

Wenn man einen Wunsch hatte, konnte man sich mit allen Dingen immer an Herrn Ömer wenden. Er kümmerte sich immer um alles. So besorgte er unseren Betreuungslehrern einen Mietwagen, mit dem sie zu einer abenteuerlichen Fahrt in die nahegelegenen Berge aufbrachen. Es waren wohl nur die Schnee-ketten im Kofferraum, die die Beiden am nächsten Vormittag heil in unserem Hotel wieder ankommen ließen!! Nach durchfrohrener Nacht im eingeschneiten Auto verschwand man erst mal unter der heißen Dusche….

Zum Schluss möchten wir uns bei allen Verantwortlichen bedanken, die uns diese Reise ermöglicht haben. Ganz besonders danken wir natürlich den türkischen Lehrern für ihre Gastfreundschaft. Wir haben uns alle vorgenommen, uns im Juli diesen Jahres zu revanchieren. Dann sind wieder Schüler aus Bursa zu Besuch in Köln.

 

 

Michael Stolzenbach - 12. März 2004

zum Seitenanfang